Die Leiden des jungen Werther. Eine Ermittlung
| Sebastian Fust / Michael Höppner

Die Leiden des jungen Werther. Eine Ermittlung | Fust/Höppner

Theatertext
3 Personen | 1D, 2H


UA: 2012, Nordharzer Städtebundtheater
Regie: Michael Höppner

ÖEA: frei
SEA: frei


Der Briefroman als romantisch-tragischer Krimi!


Den Vorhang aufzuheben und dahinter zu treten! Das ist alles! Und warum das Zaudern und Zagen? Weil man nicht weiß, wie es dahinten aussieht? Und man nicht wiederkehrt? Und dass das nun die Eigenschaft unseres Geistes ist, da Verwirrung und Finsternis zu ahnen, wovon wir nichts Bestimmtes wissen.


SYNOPSIS

Der junge Werther hat seinem Leben durch einen Kopfschuss ein Ende gesetzt. Die Ermittler beginnen am Tatort Werthers Selbstmord anhand der vor Ort vorgefundenen Spuren und Briefe sowie unter Zuhilfenahme zusammengetragener Informationen und Erzählungen zu untersuchen und die näheren Umstände zu rekonstruieren: Der junge Werther entfloh dem Stadtleben und ließ sich im Dorf Wahlheim nieder. Auf einer Tanzveranstaltung lernte er Lotte, die Tochter eines Amtmannes, kennen und verliebte sich unsterblich in sie: Werther meinte in ihr eine Seelenverwandte gefunden zu haben. Doch Lotte ist bereits Albert versprochen. Da aber Werther weder von Lotte lassen konnte noch wollte, da Werther seine ganze Empfindsamkeit und seine bedingungslose Innerlichkeit auf die Liebe zu ihr projizierte, so die Fallrekonstruktion der Ermittler, entwickelte sich eine unheilvolle Dreieckskonstellation, die sich mit aller Konsequenz zugespitzt zu haben scheint, was letztlich Werthers Schicksal besiegelte. Doch nach und nach fördern die Untersuchungen auch zu Tage, dass das Schicksal der Ermittler mit dem tragischen Schicksal Werthers unweigerlich und unerbittlich verwoben ist …

Der 1774 zur Buchmesse in Leipzig erschienene Briefroman machte den damals 24-jährigen Goethe mit einem Schlag bekannt. Die dargestellte Liebe bedeutete in ihrer Bedingungslosigkeit ein absolutes Novum. Werther akzeptiert in der Liebe (wie auch im Leben) keine Schranken und Begrenzungen, er strebt nach dem Einswerden: mit sich, mit Lotte, mit der Welt. Der Werther-Roman stellt die immer noch aktuelle Frage nach der individuellen Freiheit. Und ihrer Grenze. Und nach der Verantwortung – für sich und andere. Denn: Gilt das Unbedingte unbedingt für alle?


ÜBER DIE AUTOREN SEBASTIAN FUST / MICHAEL HÖPPNER

Sebastian Fust wurde 1975 in Schwäbisch Hall geboren und ist Regisseur, Dramaturg und Autor. Er studierte Theaterwissenschaft, Kommunikations- und Medienwissenschaft sowie allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft in Leipzig. Von 2005 bis 2009 Regieassistent am Burgtheater Wien. Regietätigkeiten u.a. am Burgtheater Wien, Schauspielhaus Wien, Garage X – Theater Petersplatz Wien, Staatstheater Mainz, Theater im Pfalzbau/Corso (Ludwigshafen). Zahlreiche Inszenierungen, u.a. Du und der Vergnügungspark (Theatertext, gemeinsam mit Izy Kusche) am Burgtheater/KasinoBar 2007, Ich glaube an Raum (gemeinsam mit Izy Kusche) im Burgtheater-Vestibül 2008. Er schreibt Theaterstücke und Prosa und ist Teil des Autorenduos Fust/Kusche. Seit der Spielzeit 2011/12 ist Sebastian Fust Schauspieldramaturg am Nordharzer Städtebundtheater.

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Michael Höppner, geboren in Berlin. Studium der Theater-, Literatur- und Musikwissenschaft an der Freien Universität Berlin und seit 2011 Masterstudium Musiktheaterregie an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. Musikalische Ausbildung in den Fächern Violine, Klavier, Orchesterspiel. Verschiedene Dramaturgie- und Regieassistenzen, u. a. 2003-2005 an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz bei Frank Castorf, Christoph Marthaler und Martin Wuttke und 2007-2010 am Burgtheater in Wien bei Christoph Schlingensief, Andrea Breth, Sebastian Hartmann, Jan Bosse, Stephan Kimmig, Roland Schimmelpfennig, Alvis Hermanis und Luc Bondy. Zahlreiche Inszenierungen, u. a. 2006 „Heim es reicht“ im 3.Stock der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, 2008 „Der mystische Grund der Zivilisation“ im Kasino am Burgtheater Wien, 2009 „Man erschießt ja auch Pferde. Ein Totentanz“ im Vestibül am Burgtheater Wien, 2010 „Philotas“ im Vestibül am Burgtheater Wien und Einladung zu „Um alles in der Welt – Lessingtage 2011“ am Thalia Theater Hamburg, 2011 „Die Zauberflöte“ am Centraltheater in Leipzig und „SEIRENES. Eine Gesanginstallation“ im Stattbad Wedding sowie 2012 „Piangerò la sorte mia. Eine Trauerzeremonie“ im Rahmen der 48. Musiktheaterwerkstatt der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin.

 



Illustration: Jorghi Poll / (© gleichzeit)