Seifenblasenoper. Eine Kritik der runden Vernunft | Philipp Weiss

Seifenblasenoper. Kritik einer runden Vernunft | Philipp Weiss

Theatertext
min. 7 Personen | 3D, 4H


UA: frei


Fahren Sie mit Dantes Geisterbahn durch die Welt der Blasen! Eintritt frei!


Der Mensch ist ein Blasenwesen. Nun. In der Fruchtblase wächst er heran. Ja. Kaum dieser entlassen, wähnt er sich eins mit dem Kugelrund des Mutterbusens. Doch! Wird ihm dieser entzogen, sucht er, das geteilte Kugelwesen, seine zweite Blasenhälfte, um in der Liebe die schillerndste, die fragilste, die größte, die dümmste der Blasen zu bilden. Ach! Und wird ihm diese erst einmal, vielleicht auch zweimal, auch dreimal, weiß der Teufel!, hundertmal, jedenfalls aufs Gründlichste verleidet, verfällt er seiner eigensten gekränkten Aufgeblasenheit. Und schließlich stirbt er neben der Plastikblase, nämlich jener seines künstlichen Harnausgangs. Der Mensch kommt, bläht sich, und platzt.


SYNOPSIS

Herzlich Willkommen in der Blasenfabrik! Die Blase ist die größte, erfolgreichste und allgemein universale, alles umfassende Innovation unseres Zeitalters. Kommen Sie mit auf eine Reise durchs Blasenuniversum! Mit Unterstützung von Dante Alighieri, dem TV-Girl, Jesus Christus (Superstar), Homunculus, Harry Potter, Meister Yoda und vielen anderen.

Die Seifenblasenoper ist eine Neudichtung von Dantes Inferno. Sie ist jedoch ebenso das Gegenteil: eine Entdichtung, in der sich nichts mehr verdichtet, vielmehr alles zerstäubt. In der Kultur der Blasen ist die Hölle die beste Unterhaltung. Nichts darin wird fassbar. Die Blase ist die Metapher schlechthin für den Zustand unserer Gegenwart.


ÜBER DEN AUTOR PHILIPP WEISS

*1982 in Wien geboren, schreibt Prosa und Theaterstücke. Studium von Menschen und Zuständen sowie Germanistik, Philosophie und Deutsch als Fremdsprache an den Universitäten …

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Illustration: Kristof Kepler (© gleichzeit)